lamento

johanna zu pferd oder irgendwer
in ihrer eisernen rüstung aus prinzipien
an der alle lanzen zerbrachen, alle herzenspfeile

stumpften ab wie die gefühle, für die du «keinen
kopf» hast in zeiten des krieges: deine worte, johanna
die in schweissperlen auf ihre münder hinab

tropften als sie dir ihr hosianna entgegenriefen
das holz der pfeile einsammelnd & aufschichtend –
johanna zu pferd oder irgendwer geht stolzen hauptes

auf schlachtfeldern zugrunde & ins grab
für überzeugungen, um die sie alleine weiss
es muss heiss sein in einer rüstung aus eisen

die sich auch dann nicht an pfeilspitzen schweisst
wenn die scheite unter den füssen knistern
& man mit hängendem bogen daneben steht

oh johanna: was ist, wenn dein eisen schmilzt
& statt verheissungen & geheimnissen
nichts als heisse luft auffliegt?

Claire Plassard, Zürich. Sie schreibt Lyrik, Essays, Rezensionen und Reportagen. Zuletzt erschien in Buchform der gemeinsam mit Florian Vetsch verfasste Gedichtzyklus ‹Ein dünner Faden hält alles zusammen› (Moloko Print, Pretzien 2019).
Das Gedicht kann als assoziativer Kommentar zu Hadayatullah Hübschs Gedicht «Body-Painting» («Round & Round & Round», Songdog, 2011) gelesen werden.

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