Ich liege am Strand in der Toskana und habe vor Faulheit ein schlechtes Gewissen. Mir fällt der Soziologe Goffman ein, der seinerseits einmal an einem schottischen Strand lag, Leute beobachtete und so seine Rollentheorie erfand. Diese besagt in etwa, dass alle Menschen ständig Rollen spielen, als wären sie Figuren in einem Theaterstück. Dazu tragen sie passende Kostüme (z.B. Anzug oder Hooters-Uniform) und verhalten sich entsprechend Ort und Situation. So spielt einer beim Dinner den noblen Knigge-Kenner, während er beim Männerabend laut rülpst, und sich in unbeobachteten Momenten sogar in der Hose kratzt und danach an seinen Fingern riecht. Ich schaue also genau, versuche die Bühne zu sehen und die Rollen zu verteilen – und merke, wie mir die Theorie mehr einleuchtete als jetzt die Praxis. Ist es vielleicht schwerer, Rollen festzumachen, wenn die Kleider fehlen? Zum einen sehe ich plötzlich nur noch Behinderte. Der Mann im Rollstuhl, der im Sonnenschirmschatten mit ausgestrecktem Finger auf seinem Computer rumfährt und eine Schnute zieht. Die «geistig Behinderte», die ihrer Mutter den Hut vom Kopf schlägt, von ihr angeschrien wird und grinst. – Es scheint vermessen, hier sagen zu wollen, sie würden eine Rolle «spielen». Oder nicht? Dann eine Frau, die ihre alte Mutter

Antony

1. Bei jedem Aufwachen denke ich, ich hätte am Vorabend besser doch meine Zähne putzen sollen. Ich schaue an die Decke, lausche den Nachbarsschritten, wie sie über meinen Kopf herziehen. Heute bin ich vierzig geworden, über Nacht. Ich denke mir, dass mein Rücken weniger schmerzt als gestern. Ic...

Where the grass is greener

Last night, going through my Facebook inbox, I found really old messages exchanged with my friend Kourosh, dated from 2008. This was a short time after he had left to study in Italy. Kourosh was advising me to leave Switzerland as well for a while, a country which he felt had become too overwhelming...

Fernweh und Todessehnsucht

Um den Kinozuschauer ganz und gar in die dargebotene Geschichte eintauchen zu lassen, wollen die meisten Filme jeglichen Hinweis auf ihre Gemachtheit verstecken. Manche Regisseure versuchen aber, die Entstehungsbedingungen der Filme in den Filmen selbst zu reflektieren. So macht Jean-Luc Godard die ...

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